Horst Koch, Aufklärung im Licht der Bibel

  • Home
  • Kommunismus und Kirche

Hans Lohmann

 

Der Bolschewismus und die christliche Gemeinde


London im Jahre 1903: Kongreß der »Russischen Sozialdemokratischen Partei». Die Lenin-Gruppe gewinnt über die Gemäßigten, die »Menschewiki«, eine Zufallsmehrheit und nennt sich jetzt »Bolschewiki«, gleich Mehrheit.

»Bolschewismus» heißt also die russische, die maßgebende Form des Kommunismus.

Ihr System nennen die Bolschewisten »Marxismus Leninismus«. Auf Lenin berufen sie sich alle, in Moskau wie in Peking, in Belgrad wie in Bukarest. Ist unser Jahrhundert ein »Jahrhundert Lenins«?

Der Jurist Wladimir Iljitsch Uljanow (1870-1924) wurde seit 1899, nach dreijähriger Verbannung, «Lenin» genannt, nach einem Fluß in Sibirien. An seinem 50. Todestag im Jahre 1974 hat man ihn zu Recht als den »Begründer der Sowjetunion« gefeiert. Auch die Zeitung »Prawda« (Wahrheit) geht auf ihn zurück.

Die deutsche Form des Bolschewismus habe ich als Student in Berlin in den Jahren 1929 - 1933 sehr drastisch erlebt. Ernst Thälmann ist mir als Redner, etwa im »Sportpalast», wohlvertraut. Innerhalb des Studiums war mir die Beschäftigung mit Schriften Lenins möglich. Und dann - den Rat zur Nachahmung gebe ich an alle Leser weiter - studierte ich die Veränderung der Weltkarte seit 1946, eine sehr erregende und bedrückende Beschäftigung!

Von dem dänischen Theologen Sören Kierkegaard (gest. 1855) stammt folgende Geschichte: In einem dichtgefüllten Theater warten die Zuschauer auf den Beginn der Vorstellung. Da tritt mit ernstem Gesicht ein Clown vor den Vorhang:

»Meine Herrschaften, verlassen Sie bitte in völliger Ruhe den Zuschauerraum; denn hinten im Fundus ist Feuer ausgebrochen!» Einen Augenblick herrscht Totenstille; dann lacht einer, dann lachen mehrere, zuletzt viele: Eine herrliche Clownszene! Der Schauspieler wiederholt seine Bitte, diesmal andringend! «Großartig, wie er das macht!» Der Beifall steigert sich. Leidenschaftlich, schreiend gar, beschwört der Clown sein Publikum. Es hilft nichts; der Beifall schwillt immer mehr an   bis der Rauch durch den Vorhang dringt.

Wir blicken jetzt nach Osten nicht deshalb, weil «ex oriente lux» - Licht aus dem Osten - käme, sondern weil uns von dort Notschreie und Hilferufe erreichen. Der Osten - eine »Fundgrube« für Christenverfolgungen in allen Stufen, ein Schauplatz von Martyrien, wie es ihn bisher in keinem Jahrhundert gegeben hat.

Was für ein Gebilde ist diese Weltgefahr und welche Ziele hat sie?

Der Bolschewismus versteht sich als eine Bewegung, die sich berufen fühlt, die ganze Menschheit von irdischen Nöten zu erlösen: er will, er kann, er wird! Das Fernziel ist die »klassenlose Gesellschaft«, in der es keine Unterdrückung durch Machtmenschen und keine Ausbeutung durch Kapitalisten gibt. Der lange Weg zu diesem Ziel führt über die Diktatur der Arbeiterklasse.

Zur bolschewistischen Soziallehre gehört der Atheismus, die Gottesleugnung, hinzu, wie zu einer Münze die andere Seite. Urmarxismus und Atheismus sind untrennbare siamesische Zwillinge.

Aber dieser Atheismus ist kein philosophisches Gedankenspiel, wie hier bei uns, sondern er ist militant aggressiv mit dem Ziel der Ausrottung - nicht der geistigen Überwindung! - jeglichen Gottesglaubens. Der Kampf gegen die Religion wird nicht allein mit geistigen Waffen geführt, sondern mit politischen Machtmitteln, mit dem «Schwert».

Hinter dieser Kampfesweise steht die richtige Erkenntnis, daß der Mensch erst dann ein knetbares »Material« für die materialistisch sozialistische Ideologie werden kann, wenn er sich ganz vom Himmel hat ablösen lassen.

Wird geleugnet, daß eine überirdische Macht uns Irdische zur Verantwortung zieht, dann läßt sich mit der Masse Mensch nach Gesichtspunkten umspringen, wie sie im Augenblick zweckmäßig scheinen; so wie es ein Kapitalist, der atheistisch ist, ebenso tut, wenn er kann!

Der Mensch - Verbrauchsmaterial für eine Erlösungslehre! Eine solche »Heilslehre« zu sein gab auch der Nationalsozialismus vor. Hüben wie drüben eine »totale Religion« mit einem höchsten, »eschatologischen« Ziel, mit heiligen Büchern und Propheten und dem »unfehlbaren Lehramt», der Parteispitze!

Weil sich der Bolschewismus als Erlösungslehre für die ganze Menschheit versteht, ist ihm ein unbeschränkter Eroberungsdrang eigen mit dem Ziel der Weltherrschaft. Dieser Drang gehört so wesensnotwendig dazu, wie zum Auto der Treibstoff. Das Weltherrschaftsziel aufgeben, heißt für den Bolschewismus, sich selbst entmannen.

Zur Durchsetzung dieses Ziels ist dem Bolschewismus jedes Mittel recht   so lehrt Lenin, so lehrt und bezeugt es die bluttriefende Geschichte. Jedes Mittel: Verträge, Wirtschaftshilfe, Übertölpelung, Unterwanderung, List, Lüge, Terror, Krieg. Und desgleichen   Koexistenz»! Wie Lenin in schöner Offenheit sagte:

«Koexistenz ist eine Frage der Zeit und der taktischen Notwendigkeiten!«, ist also ein Zuwarten auf eine günstige Eroberungslage. Eine vortreffliche Deutung bietet Fritz Erler (in »Politik und nicht Prestige«, 1962):

»Friedliche Koexistenz ist in Wahrheit die sowjetische Vokabel für den kalten Krieg. In diesem Sinne ist auch der Status quo (der Stand der Dinge, wie sie im Augenblick sind) für die Sowjetunion eine dynamische Größe. Er darf zu ihren Gunsten verändert werden, aber nie zu ihren Ungunsten. Die friedliche Koexistenz bedeutet nach ihrer Auffassung das Recht anderer Staaten, kommunistisch zu werden, aber nicht etwa das Recht eines kommunistisch regierten Volkes, eine freiheitliche Lebensordnung zu wählen ...«

Die Sowjetunion ist also kein normaler Staat, neben dem sich leben ließe, sondern ist wie eine Krake mit unheimlichen Fangarmen.

Die Moral dieser »imperialistischen Religion« ist die, keine zu haben. Hier gilt, wie in allen atheistischen Staatslehren, der einzige Richtsatz: »Gut ist, was der jeweiligen Ideologie nützt!«

Wie viele Staaten sind seit 1946 tributpflichtige Vasallen geworden! Wie oft ist jeglicher Widerstand gegen die »Befreiung vom kapitalistischen Joch» mit Blut weggespült worden! Wo der Bolschewismus eindringt, da entstehen zwei Ströme, ein Blutstrom und ein Flüchtlingsstrom, und oft kommt - siehe Afrika - der Hunger dazu. Das verheißene «Goldene Zeitalter» führt Eisen mit, das zu Ketten umgeschmiedet wird. Diese sind manchmal mit Wattepackung getarnt, damit sie nicht so klirren, aber sie schließen!

Aus dem asiatischsten Land Europas hat uns diese »Heilslehre« überflutet. Früher sagte man in Rom: »Der Orontes (ein asiatischer Fluß in Syrien) fließt in den Tiber!» Für uns gilt: »Die Moskwa fließt in den Rhein«.

Als Vorhut, sozusagen zur »Einführung«, ist eine «Fünfte Kolonne» tätig. Wenn hervorragend organisierte Wühlarbeit Bewunderung verdient, dann diese.

Die Bolschewisten verstehen sich vorzüglich darauf, «Trojanische Pferde» zu zimmern. Wir haben einige Gestüte davon in gutem Futter stehen und schniegeln sie mit Beflissenheit.

Als exzellenter Exportartikel hat sich das Gedankengut erwiesen, das mit einem Sammelnamen «Kultur-Bolschewismus» heißt.

Wie eine Sturzflut ist diese trübe Säure über uns hinweggeschwappt: Auf Autoritäten - außer denen im Osten   wird »scharf geschossen«, gegen Staat, Eltern, Lehrer. «Antiautoritäre Erziehung - herrlich!«   Für den Westen natürlich nur. Ehe und Moral werden unterminiert; das Arbeitsethos wird lächerlich gemacht; die Erotik verwildert. Der Erfolg ist umwerfend: Die Perversen und Pornographen werden öffentlichkeitsreif, und die Gotteslästerer »künstlerisch wertvoll«. Eine «In Welt-Verschmutzung» ohnegleichen! Seit den siebziger Jahren haben die Tabu Zertrümmerer, die Terroristen und Kriminellen aufgeatmet, eingebettet in eine »permissive Gesellschaft«; nur der normale Bürger atmet schwer durch.

Und tumbe Überläufer strömen nur so hin zur »Progressivität», zum Fortschritt, und fort schreitet von dem weg, was den Menschen trägt und hält, hin in den Morast der «Freiheiten», uferlose Liberalerei, an der wir von innen her verrotten   die beste »Muttererde« für den Bolschewismus! Wir taumeln ihm als morsches Gebilde vor die Fänge.

Indes, die »Freiheit, die ich meine« (d. h. minne, liebe) steht auf dem festen Fundament der Zucht und der Verantwortlichkeit, der «Moral», wie Lenin richtig erkannt hat:

»Wenn wir eine Nation vernichten wollen, so müssen wir zuerst ihre Moral vernichten. Dann wird uns die Nation als reife Frucht in den Schoß fallen!«

Jene »Fermente der Dekomposition«, jene Mittel der Zersetzung, werden in ausgeklügelter Tar¬nung eingesetzt. Da tragen Kommunisten Friedenstauben vor uns her, als Sichtblenden für ihre Raketen; wie wenn ein Berufsdieb für den Schutz des Eigentums demonstriert! Und  diese Kostümierung wird beklatscht, die Schar der Kollaborateure wächst.

Wir ahnen nicht, wie viele »Bewegungen« von bolschewistischen Krebsfäden durchzogen sind, aus denen sehr bald Drähte für Marionetten werden können. Zur Zeit steht die sogenannte Friedensbewegung im Zielfernrohr, mit großer «Strecke«; ist sie doch gegenüber Moskau außerordentlich friedsam; warum bildet sie keine Menschenkette entlang der deutsch deutschen Mauergrenze?

Innerhalb der sowjetischen Führung gibt es eine Abteilung für »desinformazija», zur Irreführung der öffentlichen Meinung; sie geht   wie könnte es anders sein!   auf Lenin zurück. Chef der Geheimpolizei KGB und damit auch dieser Abteilung war 15 Jahre lang Juri Andropow, seit dem 16. Juni 83, just am Vortage des Aufstandes von 1953, auch Staatsoberhaupt. Aus einer seiner Reden vom Jahre 1977 (vollständig abgedruckt in »Welt am Sonntag«, Juni 1983):

»... In solchen Fällen verbitten wir uns, daß andere uns die längst zerbrochene Schallplatte über Humanität vorspielen. Nach unserer Ansicht bedeutet 'Menschlichkeit' die Verteidigung der Interessen unserer Gesellschaft...«

Die Sowjetzone, die Ungarn, die Tschechen und Slowaken, die Polen, die Afghanen   sie alle haben diese Form der »Menschlichkeit« notvoll erlitten.

Die aus der christlichen Überlieferung erwachsenen sogenannten Menschenrechte sind für den Bolschewismus nicht nur belanglos, sie sind für sein System sogar existenzgefährdend; sie zerstören den Sockel der ganzen Ideologie, nämlich das Recht der Partei, zu bestimmen, was gerade »recht» ist!

Andropows »Desinformazija Abteilung« hat, dank ihrer Kunst der Augenwischerei, bei uns bestürzende Erfolge: «Der Fundus brennt gar nicht!» Aus dem zielstrebigen Aggressor wird ein Angstbeißer gemacht. Wünsche, Sehnsüchte, Hoffnungen der freien Welt gelten, in militanter Leidenschaft vorgebracht, plötzlich als Realitäten.

Und was sagt dazu ein »Klassiker« des Bolschewismus?

»Der Krieg bis zum Äußersten zwischen Kommunismus und Kapitalismus ist unvermeidlich. Heute sind wir natürlich nicht stark genug, um anzugreifen. Unsere Stunde wird aber kommen. Die Bourgeoisie muß eingeschläfert werden. Wir werden deshalb damit beginnen, die spektakulärste Friedensbewegung auszulösen, die je existiert hat. Die kapitalistischen Länder werden, einfältig und dekadent, mit Freuden an ihrer eigenen Zerstörung mitarbeiten. Sobald die Wachsamkeit nachläßt, werden wir sie zerschmettern ... »  (Dimitri Manuliski, Mitarbeiter Lenins, im Jahre 1931)

Die Abwiegler hatten schon 1939 ihre große Stunde. Unter unseren späteren Kriegsgegnern gab es wortreiche Stimmen, die Hitler als maßvoll und harmlos ausschilderten; sie wirkten wie eine Planierraupe für seine Kriegsfahrzeuge. Die Schutzbehauptung, «es wäre doch alles nicht so schlimm», ist kein Zeichen milder Gesinnung, sondern nur von Sachblindheit; vielleicht wird sie aus Bequemlichkeit und Beflissenheit sorgsam gepflegt.

Schon haben die Rosa-Nebel Werfer eine verhängnisvolle Sehtrübung erzeugt: Angst vor Raketen, die es noch nicht gibt, und Gelassenheit gegenüber Raketen, die seit Jahren auf uns gerichtet sind. Die uns schützen wollen, werden angespien; die uns verschlingen wollen, werden gestreichelt.

Befremden muß der Vorschlag, gegenüber dem Bolschewismus «vertrauensbildende Maßnahmen» einzuleiten. Wie leichtfertig! Wer Lenin gelesen hat und trotzdem an jenem Vorschlag festhält, handelt bewußt fahrlässig. Wie darf man «Vertrauen» aufbringen gegenüber einem »Partner«, der jeglichen ethischen Werten abgeschworen hat und versprochen hat, sie zu mißbrauchen? Oder ist drüben die Berufung auf Lenin nur ein historischer Scherz?

Der ist trefflich beraten, der sein «Vertrauen»auf das setzt, was Lenin gesagt und getan hat, und was seine Epigonen ebenfallssagen und tun. Aber das einzige, worauf die freie Welt fest »vertrauen» darf, das stufen Schönredner mit blumigen Worten ab. Als ob man durch Streicheln einen Bolschewisten zu einem »politisch Andersdenkenden« umfunktionieren könnte!

In dieser Linie einer blauäugigen Leichtfertigkeit geben die Pazifisten den Rat, das «Feindbild abzubauen»; sie geben also den Rat, die harte Wirklichkeit umzufälschen, zu verniedlichen. Wer frischt denn eigentlich - damit die freie Weit nur ja nicht vergesse, mit wem sie es zu tun hat! - das Feindbild immer wieder auf? Der pazifistische Wischlappen kommt dagegen nicht an!

Welche Wirkung haben eigentlich die »frischen Farben» auf die Politiker? Diese: Die den »Menschenrechten« zugetanen Staaten sitzen neben den grundsätzlichen Verächtern eben dieser Rechte und lassen diese Verächter «partnerschaftlich» über Recht und Unrecht mitbestimmen.

Und erst bei uns: Siehe die sanfte, «tolerante» öffentliche Hand: Kommunisten sogar als Lehrer! Sie marschieren, mit breitem Grinsen, durch die Institutionen, und wir lächeln milde dazu. Wir sind so frei, uns vergiften zu lassen. Wir tragen, wie jemand gut gesagt hat, »Bazillen ins Krankenhaus«!

Aber   »ist denn am Bolschewismus 'alles' schlecht»? Nein. Auf einem Piratenschiff und in einem gut geleiteten Zuchthaus ist auch nicht «alles schlecht»! »Ein paar Löffel Honig in einem Faß voll Teer!« Der »Teer«: die abgründige Menschenverachtung.

Von Lenin stammt das Wort, daß die Kapitalisten den Strick verkaufen, an dem man sie aufhängt. Dieser Handel hat überwältigende Zuwachsraten. Die Politik ist beschattet durch eine virtuose Heuchelei: Mit den Hintermännern der Sperrmauer, mit den Chefs der Straflager und psychiatrischen Kliniken wird schöngetan. Der freie Westen hat den Bolschewismus zum starken Mann gemacht; er »ist so frei«, zur Reparaturwerkstatt für den Unterdrückungsfuhrpark der bolschewistischen Unternehmer hinabzugleiten.

In unserer Bundesrepublik krempeln sich Menschenrechts Festredner die Ärmel hoch und lassen ihre Muskeln spielen gegen undemokratische Länder irgendwo in der Ferne; aber das Elend vor unserer Haustür wird »diplomatisch» überschwiegen. Orangen aus Südafrika machen mehr Wirbel als die Mauer gleich nebenan. Der kleine schwache Sohn bekommt Prügel für seine Unarten, sein großer starker Bruder aber Schokolade trotz seiner Verbrechen.

Lenin kann mit den Armeen der Gegenseite siegen, weil die Gegenseite von »gegen» nichts mehr wissen will.

Im Jahre 1920 ist eine amerikanische Karikatur erschienen: Lenin hält in seiner Hand einen französischen General und antwortet auf dessen Frage, mit welchen Armeen er, Lenin, Frankreich erobern wolle: »Mit den Ihrigen, Herr General!«

Was lehrt die Geschichte? Als die satte »Geschäftswelt« in Karthago ihren Feldherrn Hannibal «sitzenließ», da kamen ihnen die kriegerischen Römer über den Hals. Als die Römer in ihrem Reichtum und in ihren Lastern versackten, war die Stunde der hungrigen Germanen mit ihrem geringen »Lebensstandard» gekommen. Fortsetzung folgt! Das »Jahrhundert Lenins«?

Die »Moral von der Geschicht«? In unserer Bundesrepublik ist, gebadet in Speck und Honig, eine Generation aufgewachsen, die nie je Not und Entbehrung kennengelernt hat. Ein Teil dieser Generation «genießt» nur, ist aber nicht bereit, ein Leben in Recht und Freiheit zu verteidigen.

Nichts Neues in der Weltgeschichte?

»Rom fiel, weil seine Anführer ermüdeten, weil seine Bürger sich absonderten, vereinzelten, versagten, verzagten...« (Golo Mann)

Und der Kulturhistoriker Will Durant schreibt:

»In diesem grauenvollen Schauspiel des Auseinanderfallens eines großen Staates waren die inneren Ursachen die unsichtbaren Darsteller; die Barbaren drangen nur dort ein, wo die Schwäche bereits die Tore geöffnet hatte und wo der Schiffbruch der biologischen, ethischen, wirtschaftlichen und politischen Staatskunst die Bühne dem Chaos, der Mutlosigkeit und dem Verfall überlassen hatte ... »

Schmieröl für den Bolschewismus ist die pazifistische Weltanschauung   in der freien Welt natürlich wieder nur! Diese entstammt nicht biblischem Glauben. Sie rechnet damit, daß der Friede aufgrund vernünftiger Vereinbarungen verständiger Leute zu erstellen und zu erhalten sei.

Ferner glaubt der Pazifismus erwarten zu dürfen, daß Krieg mittels einseitiger Abrüstung zu vermeiden wäre. Diese an sich verlockende Meinung wird allerdings durch 5000 Jahre Menschheitsgeschichte widerlegt.

Der Regen hört nicht auf, wenn man den Regenschirm zerbricht. Hohlräume haben Saugwirkung. Dann wäre es also nichts etwa mit der Haltung von Gandhi (ermordet 1948)? Dazu ein Wort des Philosophen Karl Jaspers (gest. 1969):

»... Wohl aber eignet sich Gandhis Lehre von der Gewaltlosigkeit für solche Politiker, die, selber ohne Grund im Überpolitischen, sie nur nützen, um die Welt zu täuschen. Welches Verhängnis, wenn Menschen gutgläubig nachgeben, auf Gewalt verzichten, weil sie an die Gewaltlosigkeit glauben! Sie werden dann nur um so radikaler von der Gewalt überwunden ...«

(Aus «Die Atombombe und die Zukunft des Menschen», 1958)


Und die christliche Gemeinde?

Sie wird sich zunächst daran erinnern müssen, daß die großen Übel in der Gegenwart ihre Vorge¬schichte in der Vergangenheit haben: Der Bolschewismus hätte ohne schwere soziale Versäumnisse vor seiner Zeit nicht den »Spielraum« in dieser unserer Zeit finden können.

»Ihre Werke folgen ihnen nach!« Im Bolschewismus holen uns Irrgänge der kapitalistischen Vergangenheit wieder ein.

Diese Erkenntnis entbindet die Gemeinde nicht davon, sich über den Bolschewismus heute ein klares Urteil zu bilden. Manche Christen sind durch Wirkung des roten Chloroforms!  heimgesucht von einer Verharmlosungs Bemühung, die gar noch als »Frömmigkeit» und »Friedensdienst» gelten soll. Aber gewollte Blindheit ist kein Beitrag zum Frieden.

Der Gemeinde tut ein realistischer   und darum leidvoller!  Blick für die «Welt, in der wir leben« den besten Dienst. Diese Welt ist allenthalben von Sünde und Bosheit durchseucht. Menschliche Bemühungen und guter Wille können das Grundübel ein wenig eingrenzen, aber nicht beseitigen.

Und der Krieg? »Da sei Gott vor!« Richtig! Allein in Seiner Hand liegt die letzte Entscheidung. Die Bibel versteht den Krieg als eine Zuchtrute Gottes, die allein durch Buße und Gebet »aufgehalten« werden kann, wenn Er es so will. Aber der Prophet Joel muß dazu aufrufen:

»HEILIGET EINEN STREIT! ERWECKT DIE STARKEN... MACHT AUS EUREN PFLUGSCHAREN SCHWERTER UND AUS EUREN SICHELN SPIESSE ...!« (Kap. 4, Vers 9 10)

Der evangelische Theologe Karl Barth (gest. 1968) sagt in seiner »Kirchlichen Dogmatik« Bd. 3, Seite 515:

»Der Krieg ist die Offenbarung der notorischen Lebensunfähigkeit, des Gerichtes, das der Mensch schon im Frieden auf sich zu laden dauernd im Begriff ist ...«

Ein Volk kann in einen Notstand geraten, in dem sein Leben physisch, geistig und geistlich bedroht ist. Dann geht es nicht nur um «verletzte» Werte, wie etwa die politische Freiheit, die auch »eine gute Gabe Gottes« ist, sondern es geht sogar um die »köstliche Perle«, um den Gottesglauben. Noch einmal Karl Barth:

»Die Diktatur ist als solche die Bedrohung des rechten Friedens. Im Zeitalter der Diktaturen muß die Kirche in allen von ihnen noch nicht beherrschten Ländern mit dem Willen zum rechten Frieden auch die Bereitschaft zu dessen Verteidigung gutheißen und fördern. Sie hat um des Evangeliums willen und durch die Verkündigung des Evangeliums den demokratischen Staat aufzurufen, um jeden Preis, auch um den von Not und Untergang, ein starker Staat zu sein; das heißt: den Diktaturen an seinen Grenzen mit allen Mitteln Halt zu gebieten. ..»  (Aus einem Brief vom Jahre 1937 an eine Holländerin).

Die christliche Gemeinde muß sich davor hüten, in den ihr zustehenden Friedensdienst schwärmerische Gedanken einströmen zu lassen. Ein Krieg wird nicht dadurch vermieden, daß man ihn im Namen des Glaubens verurteilt; auch nicht dadurch, daß man dem eigenen Staat die Mittel zur Abwehr eines Angriffs aus der Hand schlägt. Durch einen »Friedensdienst» dieser Art wird unsere Bundesrepublik ein begehrenswerter, glatter Bissen, der sich ohne Risiko verschlucken läßt.

Schutzlosigkeit hat bisher noch immer die Erpresser ermutigt; und Angst stärkt den Übermut eines jeden Räubers. Wer die Dämme einreißt, verhindert die Sturmflut nicht; schon einzelne Löcher sind gefährlich.

In einer Erklärung des »Reformierten Bundes« war jüngst zu lesen: «Im Vertrauen auf Gott sind wir bereit zu ersten, auch einseitigen Schritten der Abrüstung. ..»

Aber   wo in aller Welt steht geschrieben, daß der Bolschewismus durch das Gottvertrauen seiner Opfer sein Wesen ändert? Oder ist Gottvertrauen gleich der Unterwerfung unter die bolschewistische Unterdrückungsgier? »Lieber rot als tot!» ist kein Einstieg zum Frieden, sondern ist »Tod durch Rot!«

Und die Bergpredigt? In ihrem Geltungsanspruch ist sie ein Ganzes. Nicht sachgemäß ist es, einzelne, gerade gefällige Worte herauszuklauben. Wer diese scharfkantige Jesus Rede aus der Kommode hervorholt, sollte sie zunächst ganz und gründlich lesen. Dann wird er darüber erleichtert sein, daß diese Predigt keine Lebensregel sein kann für eine politische bürgerliche Gesellschaft, die sich insgesamt dem Anspruch Jesu entzieht. Die Bergpredigt ist eine Lehre für den einzelnen im innersten Kreis der Christusnachfolger. Und: »Politik untersteht nicht Maßstäben, die der Welt des Politischen fremd sind.« (Prof. Kurt Sontheimer)

Der »Friede Jesu Christi« deckt sich nicht mit dem Völkerfrieden. Die christliche Gemeinde muß daher »DEM KAISER GEBEN, WAS DES KAISERS IST»!

Im Bereich Ethik stellt sich ihr die Aufgabe, mit allen Kräften einen Frieden, der mit dem Recht und mit der Freiheit geeint ist, zu wahren, zu fördern und zu erneuern. Die Sicherung dieses Friedens muß die Gemeinde bejahen, samt den dazugehörenden Mitteln.

Der Herr der Geschichte hat es uns z. Zt. auferlegt, inmitten nuklearer Waffen zu leben   das ist eine harte Wahrheit. Darum tritt die christliche Gemeinde ein für Abrüstung mit ausgewogenem Kräfteverhältnis; sie betet für eine Null Lösung an allen Fronten.

Aber sie hat weder den Sachverstand noch die Vollmacht, politische und militärische Sachentscheidungen zu treffen. Einige Kirchenmänner allerdings empfehlen sich als Fachberater für Wirtschafts  und Verteidigungspolitik - wohl ein noch nicht erkanntes Reservoir für Staatssekretäre.

Dazu, daß die Gemeinde ihren besonderen Auftrag, ihr «Sondergut», erkenne, möge uns Luthers biblisch begründete Lehre »Von den beiden Bereichen« verhelfen.

Im Verhör vor Pilatus sagt Jesus: »MEIN REICH IST NICHT VON DIESER WELT; WÄRE MEIN REICH VON DIESER WELT, MEINE DIENER WÜRDEN KÄMPFEN ... !» (Joh. 18,36)

Luthers Deutung dieses und verwandter Schriftworte:

Gott regiert die ganze Welt in ihren beiden Bereichen. Den «Bereich der Natur« regiert er »mit der linken Hand«; den »Bereich der Gnade« (oder Erlösung) »mit der rechten Hand».

Der Christ hat an beiden Lebensbereichen Anteil: Als Staatsbürger lebt er im Bereich der Linken; als Christ ist er Glied der Gemeinde Jesu Christi, also im Bereich zur Rechten. Diese »Doppelrolle» macht, wie sie gerade in der Gegenwart wieder am Tage liegt, manche Entscheidung schwierig.

Der Lebensbereich, der »mit der linken Hand« regiert wird, umfaßt Lebensordnungen wie den Staat, die Obrigkeit, die Familie, die Ehe, die Gesellschaft. Das sind Erhaltungsordnungen, die durch die Machtmittel der Gesetze, der Polizei und vielleicht gar der Soldaten geschützt werden müssen. Diese Ordnungen sollen das im Menschen lauernde Chaos bändigen.

Anders steht es in dem Bereich, den Gott «mit der rechten Hand« leitet. Im «Bereich der Gnade« ist die Gemeinschaft derjenigen Menschen angesprochen, die »mit Ernst Christen sein wollen«. Hier gilt die Erlösungsordnung.

Eines ist also die Handhabung gesetzlicher und politischer Mittel im »Bereich der Natur«; ein anderes ist die geistliche Leitung im «Bereich der Gnade«. Die Waffen aus dem »Bereich zur Linken« dürfen hier nicht geschwungen werden, sondern es gilt, den »HARNISCH GOTTES« (Eph. 6, 11) anzulegen; dieser besteht nicht aus Eisen.

Die »geistliche Waffenrüstung»: Das Wort Gottes, das Gebet, die Sakramente und die Gemeinschaft der Christen miteinander. Um diese »Waffen« sammelt sich die Schar der Gläubigen, die das Wort hört und durch Gebet und Lobgesang antwortet.

Sie ist frei von dem künstlich geschürten Modegefühl der Angst durch die Gewißheit: »Es kann mir nichts geschehen, als was ER hat ersehen!«

Die Gemeinde vermittelt der Welt, was diese am nötigsten braucht, die Frohe Botschaft von der »Versöhnung der sündigen Menschen mit dem heiligen Gott durch Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen« (Paul Althaus).

Die Gemeinde weiß, daß der Sehnsuchtsruf »FRIEDE AUF ERDEN!« (der zweite Satz der Engel Botschaft aus dem Weihnachtsevangelium, Luk. 2) nur erfüllt werden kann durch den Gehorsam gegen den ersten Satz: «EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE!»

Ein besonderer Segen liegt über den Christen, die opfern oder gar leiden können um ihres Glaubens willen. Die Märtyrer Geschichte zeigte und zeigt, daß im »Bereich der Gnade« der Sieg durch Verfolgung und Leiden gewonnen wird. Das Leiden wählen statt des Wohlergehens, das ist die Waffe der durch den Bolschewismus bedrängten Christen.

Die christliche Gemeinde hat mit ihrer «Spezialausrüstung» dem Bolschewismus Widerstand zu leisten; sie hat gleichzeitig für den einzelnen Bolschewisten vor Gott einzutreten.

Die Christenheit hier im freien Westen ist wohl bestallt und gut gebettet. Für uns sind die Glaubensgeschwister im Osten, besonders in den Straflagern und Gefängnissen, ein unbequemes Mahnmal. Ihnen zu dienen durch Opfer und durch Gebet, ist eine hohe Aufgabe.


Weitere Informationen zum Thema Kommunismus:


1.    Atheismus – ein Weg?  -  Pfr. Richard Wurmbrand
2.    Karl Marx und Satan  -  R. Wurmbrand
3.    Chinas roter Himmel  -  Leslie T. Lyall
4.    Warum bin ich Revolutionär?  - R. Wurmbrand
5.    Zerstörte Jahre – Chinas Kulturrevolution
6.    Im Osten  -  Corneli Martens
7.    Der Kommunismus - Kurt E. Koch


www.horst-koch.de

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!