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Toronto-Segen PDF Drucken E-Mail

Alexander Seibel                           

 

 WAS IST DER "SEGEN VON TORONTO"?


Berichte der folgenden Art kamen zunächst vereinzelt, dann immer häufiger vor die Augen und Ohren eines erstaunten christlichen Publikums:

Eine wachsende Zahl von Ohnmachts- und Hysterieanfällen in Gottesdiensten beunruhigt die anglikanische "Kirche von England". In der charismatisch geprägten Londoner Gemeinde "Heilige Dreieinigkeit" mußte ein Gottesdienst nach Zeitungsberichten wegen "chaotischer Zustände" beendet werden. (Das Gegenteil von 1 Kor 14,40, Anm). Besucher seien in hysterisches Lachen und in Weinkrämpfe ausgebrochen, hätten in fremden Sprachen gesprochen und seien reihenweise umgefallen. Die Gemeinde gilt als die größte und die am schnellsten wachsende der britischen Hauptstadt. Ihr Leiter, Pastor Sandy Miller, sieht in den Vorkommnissen ein "Wirken des Heiligen Geistes". Sie seien Vorboten einer weltweiten "religiösen Erweckung."

Die Ursprünge

Die "Toronto-Erfahrung", wie sie auch genannt wird, hat ihren Namen von einer kleinen Vineyard-Gemeinde in Toronto, Kanada. Der Beginn der Ereignisse kann auf John Arnotts Bitte um eine frische Salbung durch Gott zurückgeführt werden. John Arnott ist der Pastor dieser Gemeinde. Er reiste im November 1993 nach Argentinien, um einige Versammlungen zu besuchen, die Benny Hinn leitete. Später entdeckte er, daß ein anderer Vineyard Pastor, nämlich Randy Clark, eine Erneuerung erlebte, nachdem Rodney Howard-Browne für ihn gebetet hatte. Folglich wurde Randy Clark am 20. Jan. 1994 nach Toronto eingeladen und der Aufbruch dieser Manifestationen begann.

Benny Hinn demonstriert seine "Salbung", indem er die Versammlung anbläst, die dann "unter der Kraft zu Boden fällt". Benny Hinn war es auch, der am Grabe von Aimee McPherson eine besondere "Salbung" mit Kraft erfahren hatte. Dementsprechend ausgeprägt sind als Folge seines Auftretens die Rückenstürze ebenso wie unkontrolliertes Zittern und konvulsivische Zuckungen.

Von Aimee Semple McPherson, der Begründerin der schnell wachsenden  "International Church of the Four Square Gospel", schreibt Kurt Hutten:

Kein Wunder, daß ihre Anhängerschaft rasch wuchs und ihr blind ergeben war. Auch verschiedene Affären - eine zweite und dritte Ehe, die bald wieder geschieden wurde, mancherlei Seitensprünge sowie "Familienstreitigkeiten, Prozesse, angebliche Kindesentführung" usw. - konnten sie nicht irre machen. Ja, Aimee beschrieb selbst ihre Liebesaffären und ihre göttlichen Führungen in einer Artikelserie, die sie in einer auflagenstarken Tageszeitung veröffentlichte.

November 1993 trat Benny Hinn in Basel, Schweiz auf. Dabei wurde das Publikum derartig manipuliert und betrogen, daß sich die charismatischen Veranstalter nachträglich dafür entschuldigten.

Rene Lieberherr, Mitorganisator in Basel, berichtete:

Ich wurde beauftragt, den Ventilator auf Stufe "intensiv" zu schalten... Hinn sagte den Leuten, sie sollten ihre Hände erheben. Sie würden dann das Wehen des heiligen Geistes erfahren. Die Leute taten dies, reckten die Hände nach oben; und spürten das Wehen der Ventilation...Bei Hinn fanden jedoch keine Wunder statt. Im Gegenteil: Die Heilungen haben sich als falsch erwiesen. Sie ehrten Gott nicht; sie waren Menschenwerk...Ein anderer Fall betrifft den krebskranken Mann, über den Hinn prophezeite, daß er noch viele gesunde Jahre vor sich habe. Zwei Tage später starb dieser Mann... Das sind "die großen Wunder", die geschahen.

Eine andere Gestalt in dieser Bewegung ist Claudio Freidzon von Buenos Aires. Er fühlte, daß ihm etwas in seinem Dienst fehlte und reiste deswegen nach Florida, um Benny Hinn zu besuchen, der über ihm betete und weissagte. Bei Freidzons Versammlungen fallen die Leute entweder reihenweise zu Boden oder sie beginnen unkontrolliert zu lachen bzw. beides. Auch er bläst ins Mikrophon, um den "Geist" zu übertragen.

Wirklich neu sind solche Erfahrungen nicht. Neu ist vor allem die Intensität, mit der sie sich nun häufen und um sich greifen. So schreibt Reinhard Hempelmann:

Im charismatischen Gottesdienst finden die "neuen" Erfahrungen mit dem Heiligen Geist ihren deutlichsten Ausdruck: er ist wie alle charismatischen Gottesdienste strukturiert: Lobpreis - Predigt - Lieder, die überleiten zur Herbeirufung des Heiligen Geistes und den dann folgenden "Manifestationen des Heiligen Geistes" wie auch den Segnungs- und Gebetsdiensten. Das Besondere sind nicht die dann folgenden Manifestationen des Geistes als solche  - sie sind u.a. durch das Wirken John Wimbers weitläufig bekannt geworden -, aufsehenerregend ist vor allem ihre Intensität: anhaltendes Lachen, Schreien, Weinen, Brüllen von einer Intensität, wie es nur in Grenzsituationen geschieht (z.B. im Kreißsaal bei der Geburt eines Kindes oder in Kampfsituationen), intensives oft lang andauerndes krampfartiges Zittern und Zucken, Hüpfen und Tanzen, sehr häufig Umfallen (vorwärts, rückwärts, seitwärts) bzw. Sich-Hinlegen, oft nach dem Segensgebet von verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Manche bewegen Kopf und Oberkörper reflexartig nach vorne. Andere gehen wie Betrunkene durch die Reihen mit eingeschränkter Bewegungs- und Sprachfähigkeit. Manche werden von einer länger andauernden Sprachlosigkeit erfaßt.

Als Ergebnis solcher Erlebnisse erfahren die Betroffenen nicht nur einen beseligenden Zustand, sondern immer mehr dieser "Gesegneten" leiden unter psychischen Störungen, Angstzuständen und werden in vermehrtem Maße Fälle für die Psychiatrie bzw. Seelsorge. Diese Phänomene sind so auffällig und intensiv, daß sie sich von offen okkulten bzw. spiritistischen Manifestationen eigentlich nicht mehr bzw. nur noch wenig unterscheiden.

Franz Anton Mesmer (1734-1815) gilt als Vorläufer des heutigen Spiritismus und nimmt als Begründer des sogenannten tierischen Magnetismus und des Suggestivbegriffes in der Ausbreitung der Geisterwelt eine herausragende Stellung ein. Über seine Gruppenbehandlung, wo man sich um einen magnetisierten Zuber scharte, wird folgendes berichtet:

Eigenartige Szenen spielten sich ab: krampfhafte Zuckungen, Bewußtseinstrübungen, weinerliches Gewinsel, Schreie, Schluchzen und Gelächter machten sich breit um den Zuber, alle wurden angesteckt, als ob ein Strom die Körper durchflossen hätte."

 

Wer ist Rodney Howard Browne?

Die wirkliche Schlüsselfigur dieser "Erfrischung des Geistes", wie dieser Aufbruch auch genannt wird, ist der bereits kurz erwähnte aus Südafrika stammende Rodney Howard-Browne.

Rodney Howard-Brownes Besonderheit besteht darin, daß er den Leuten befiehlt zu lachen. (Es gibt Berichte von Personen, die sich in ähnlich bizarrer Weise verhielten und solche, die danach unter einen Zwang bzw. eine  Bedrückung gerieten). Als Ergebnis dieser Versammlungen sprach man von der "Lachenden Erweckung".

Er ist einigen bekannt als der "lachende Evangelist" und er nennt sich selbst der "Barmixer des Heiligen Geistes" (Holy Ghost bartender), der das "Lachen im Geist" fördert...Das sogenannte heilige Lachen ist eine Ekzentrik, die von extremen Randfiguren der Pfingstbewegung wie Kathryn Kuhlman vor Jahren praktiziert wurde.

Spitzenreiter all der Auswirkungen, die er behauptet, auf das Publikum zu haben, ist das "Festkleben mit dem Heiligen Geist" (Holy Ghost Glue).

Leute liegen stundenlang am Boden und können sich nicht mehr wegbewegen, sind am Boden wie angenagelt. So berichtet Rodney Howard-Browne von einer Frau, die sechs Stunden lang am Boden klebte.

"Sie brauchte eine Stunde, um vom Zentrum des Gemeindesaals zur Seitenwand zu kriechen."

Ähnliche Erfahrungen mit diesem "Festkleben" machte auch Randy Clark, durch dessen Dienste in der Vineyard Gemeinde in Toronto im Januar 1994 diese "Erweckung" begann.

Als er versuchte aufzustehen, mußte er feststellen, daß er dies nicht vermochte. Es war, als sei er am Boden festgenagelt. Er war in einer Reihe von Leuten, die erfüllt worden waren und "zwei Körper weiter weg  von mir war jemand, der grunzte." Dies brachte Randy zum Lachen und er konnte nicht mehr aufhören. Nachdem er endlich hochkam, wurde er immer mehr vom Geist berauscht. Es war eine Meile Fußmarsch zu seinem Auto und er ging den ganzen Weg lachend.

Diese besondere Erfahrung, das Grunzen eines Menschen, bewirkte bei Randy Clark den entscheidenden Durchbruch. Mit ihm kam dann später dieser besondere "Segen" nach Toronto. Vielleicht sollte hier noch erwähnt werden, daß man im Zuge dieser "animalischen" Phänomene an einigen Orten sogar das "Bellen im Geist" praktiziert.

Noch ein abschließendes Zitat über die Theologie des Mannes von Südafrika, der seit 1987 in den USA lebt:

Am schlimmsten ist Howard-Brownes Vorstellung von Jesus, den er als irdischen Propheten sieht, der seine Göttlichkeit im Himmel zurückließ..." Nichts, was Jesus tat, war, weil er der Sohn Gottes war. Die Bibel sagt, daß er seine göttlichen Gewänder ablegte und als er auf der Erde wandelte, tat er dies als Prophet unter dem Bund Abrahams."

In letzter Zeit ist auch von der "Erweckung in Pensacola", einem Ort in Florida, die Rede, wo in der Pfingstgemeinde von Brownsville wiederum "Großes" geschehen soll. Doch es handelt sich auch hier nur um einen "Ableger" des "Toronto-Segens", wenn auch streckenweise biblischer verpackt. Ein Beobachter der Ereignisse dort kommentiert: "Es ist offensichtlich, daß die Masse hineingewiegelt wird in einen Wahnsinn an emotionaler Energie durch lautstarke Musik und durch die von den Leitern gestreuten Erwartungen. Es handelt sich um sorgfältig orchestrierte Manipulation."

Was sagt die Bibel zum "Lachen im Geist"?

Nun ist es hier angebracht, auch dieses Phänomen von der Schrift her zu beleuchten.

Die Bibel kennt das Lachen des Unglaubens (1. Mose 17,17; 18,12, Mt. 9,24 u.a.). Sie erwähnt das Lachen der Freude (1. Mose 21,6; Ps. 126,1; Luk. 6,21 u.a.). Doch hier handelt es sich immer um Menschen, die von einer menschlichen Fähigkeit, nämlich dem Lachen, aus verschiedenen Motiven heraus Gebrauch machen.

Bei dem Geisteslachen aber meint man, der Heilige Geist lache nun in direkter Weise aus dem Menschen wie aus einem Medium. Die Person wird eigentlich gelacht. Nicht sie ist es, die lacht, sondern jemand anderer lacht durch sie. Eine unsichtbare Gegenwart ergreift von dem Menschen Besitz und es beginnt ein oft genug unkontrolliertes Gelächter.

So schreibt Werner Bartl, der als Pastor einer charismatisch geprägten Gemeinde in Österreich solche Phänomene aus eigener Anschauung kannte, sie aber später durchschaute:

Wer aber nun dieses Phänomen des "heiligen Lachens" mehr als nur oberflächlich betrachtet, sieht, daß es sich hier ja nicht um den äußeren Ausdruck einer inneren Freude handelt, sondern eher vielmehr um einen Zwang zum Lachen. Eine geistliche Kraft bemächtigt sich der Menschen und zwingt sie, zu lachen und zu lachen und zu lachen...

In der Zeitschrift "Revival Now" wird folgendes Ereignis als Wirken des Heiligen Geistes ausgegeben: Unter der bezeichnenden Überschrift "Gelächter stoppt Botschaft - aber Gott ist am Wirken" heißt es von der ernsten Botschaft eines Gastredners:

Er kam nicht weiter als zu den einleitenden Worten: "Die Geschichte von Salomon ist eine der tragischsten in der ganzen Bibel." Mehrere Leute in der Versammlung brachen in fröhliches Gelächter aus...Wie auch immer, es wurde bald klar, daß es keine Möglichkeit gab, das unerwartete Lachen zu stoppen. Solche, die vom Heiligen Geist erfaßt waren, wurden eingeladen nach vorne zu kommen. Kaum waren sie vorne angekommen, fielen sie auch schon mit konvulsivischem Gelächter zu Boden. Das Lachen verbreitete sich über die  ganze Versammlung und dieser Ausbruch setzte sich bis 23.30 Uhr fort, wobei viele Leute einander die Hände auflegten. Die Predigt wurde nie gehalten, aber Dutzende von Leuten hatten ein machtvolles Erlebnis mit Gott. 14

Bei diesem oft unnatürlichen, zwanghaften Gelächter wird man an die Ermahnung des Jakobus erinnert: "Euer Lachen verkehre sich in Weinen" (Jak. 4,9).

Das nun aber angeblich direkte Lachen Gottes kennt die Bibel wiederum nur zum Gericht. "Aber der im Himmel wohnt, lachet ihrer, und der Herr spottet ihrer. Einst wird er mit ihnen reden in seinem Zorn,..." (Ps. 2,4-5)). "Der Gottlose droht dem Gerechten und knirscht mit seinen Zähnen wider ihn. Aber der Herr lacht seiner, denn er sieht, daß sein Tag kommt" (Ps. 37,12-13). "Aber du, Herr, wirst ihrer lachen und aller Völker spotten" (Ps 59,9). "Wenn ich aber rufe und ihr euch weigert,...und meine Zurechtwei¬sung nicht wollt: dann will ich auch lachen bei eurem Unglück und euer spotten, wenn da kommt, was ihr fürchtet (Spr. 1,25-26).

Das Gericht Gottes jedoch wird oft genug dadurch vollzogen, daß Gott den bösen Geist losschickt. So lesen wir beispielsweise im Zusammenhang mit dem Gericht über den König Ahab von Israel: "Nun siehe, der Herr hat einen Lügengeist gegeben in den Mund aller deiner Propheten; und der Herr hat Unheil gegen dich geredet" (1. Kön. 22,23). Andere Bibelstellen die diese (traurige) Tatsache verdeutlichen sind: Richter 9,23, 1. Sam. 16,14; 18,10, Ps. 78,29 und 31; Jes. 29,9-10; Mt. 12,45; 2. Thess. 2,9-11; Offb. 6,8; 9,1ff.

Von Jesus lesen wir zwar, daß er im Geist frohlockte (Luk 10,21), da unser Herr aber die Gnade personifiziert, hat er zwar geweint, doch wird nichts vom Lachen (Griechisch gelao) berichtet.

So ist auch in diesem Bereich, ähnlich wie beim Fallen auf den Rücken, wiederum festzustellen, daß das Gericht Gottes mit dem Wirken des Heiligen Geistes verwechselt wird. Ein Gericht, das bekanntlich am Hause Gottes beginnt (1. Petr. 4,17).

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