Top Module Empty
Home arrow Seelsorge arrow Wozu erwählt?
Wozu erwählt? PDF Drucken E-Mail

Wozu erwählt?

(Röm. 9,15-18)


„Gott spricht zu Mose: Welchem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und welches ich mich erbarme, des erbarme ich mich. So liegt es nicht an jemandes Wollen oder Laufen sondern an Gottes Erbarmen. Denn die Schrift sagt zu Pharao: Eben darum habe ich dich erweckt, dass ich dir meine Macht erzeige, auf dass mein Name verkündigt werde in allen landen. So erbarmt er sich nun, welches er will und verstockt, welchen er will.“

Da denken nun manche: Da brauchen wir doch nichts zu machen! Wenn wir glauben sollen, dann kriegen wir den Glauben, und wenn wir verstockt werden sollen, dann werden wir verstockt. Da können wir doch leben, wie wir wollen: Was wir haben sollen, das kriegen wir.

So haben schon viele gemeint und haben sich darum schwer an dieser Stelle gestoßen. Es handelt sich hier um die Lehre von der Erwählung. Wenn wir dieselbe recht verstehen wollen, so müssen wir zuerst bedenken, dass es sich bei derselben nicht um eine Erwählung zur Seligkeit, sondern um eine Erwählung zum Dienst handelt. Den Schlüssel zu dieser Lehre, die schon so viele beunruhigt hat, bietet die Stelle Joh. 15, 16: „Ihr habt mich nicht erwählt, sondern ich habe euch erwählt und gesetzt, dass ihr hingeht und Frucht bringt.“ Da sagt der HErr deutlich, wozu Er die Jünger erwählt hat. Nicht dazu, dass sie in den Himmel kommen und alle andere Menschen verloren gehen, sondern Er hat sie dazu erwählt, dass sie ein Segen werden sollen für andere. Das ist der Zweck der Erwählung.

Dass ein Schlüssel der richtige ist, kann man daran erkennen, dass er schließt. Wenn dieser Schlüssel – erwählt zum Fruchtbringen, zum Segen für andere – richtig ist, dann werden dadurch die Stellen verständlich werden, die uns etwas von der Erwählung sagen. Abraham wird von Gott auserwählt. Warum? Weil Abraham allein selig werden soll? Nein, sondern weil er ein Segen werden soll für alle Geschlechter auf Erden.

Wenn wir in Römer 9 lesen: „Jakob habe ich geliebt. Esau habe ich gehaßt“, so heißt das keineswegs: Jakob habe ich zur Seligkeit bestimmt und Esau zum Verlorengehen. Sondern das heißt: Mit Esau konnte ich nichts anfangen, den konnte ich nicht zu einem Segen für andere machen. Aber heißt es denn nicht: „Esau habe ich gehaßt?“ Ja, aber hier wird das Wort hassen geradeso gebraucht, wie der HErr es braucht in seinem Wort: „So jemand zu mir kommt und hasset nicht seinen Vater, Muter, Weib Kinder..., der kann nicht mein Junger sein“ (Luk. 14, 26). Wir sollen Vater und Mutter nie „hassen“, sondern lieben. Das verlangt ja Gottes Wort. Aber wenn es sich darum handelt:

Der Vater – oder Jesus, dann sollen wir bereit sein, den Vater zurückzustellen, um Jesus den ersten Platz zu geben. Denn „wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.“ Den Vater hassen, das heißt also: ihn zurückstellen, damit er sich nicht vor den Heiland drängt. „Esau habe ich gehasst“, heißt ebenso: Esau habe ich zurückgestellt: denn mit Esau war nichts zu machen. Er war nicht zu gebrauchen, um ein Segen für die Welt zu werden. Aber so schlecht Jakobs Charakter von natur war, mit ihm ist Gott zum Ziel gekommen; aus ihm hat er einen Segen machen können. Es handelt sich also gar nicht darum, dass Jakob zur Seligkeit vorherbestimmt wurde und dann Esau zum Verlorengehen, sondern es handelt sich um die Brauchbarkeit für den Dienst Gottes.

Im 106. Psalm, Vers 23, wird auch Mose ein Auserwählter genannt. Soll das heißen: Mose war zum Seligwerden bestimmt, während das übrige Volk zur Verdammnis bestimmt war? O nein! Sondern Mose wurde auserwählt, um ein Segen für sein Volk zu werden!

Israel wird das auserwählte Volk genannt. Nicht aus dem Grunde, weil Israel allein gerettet werden soll und alle anderen Völker ewig verloren gehen sollen. O nein, sondern im Gegenteil, Israel wird zu dem Zweck auserwählt, damit dies Volk ein Segen werde für alle anderen Völker – dadurch, dass der Heiland aus diesem Volke hervorgehen sollte.

Jesus wird vom Propheten Jesaja der Auserwählte genannt, weil Er ein Segen werden sollte für die ganze Welt.

Die Gemeinde des Neuen Bundes wird 1.Petrus 2, Vers 9 „das auserwählte Geschlecht“ genannt, weil Gott durch die Gemeinde Jesu Christi die Welt erretten und segnen will. Wir sind nicht dazu erwählt, dass wir uns nun freuen: ich komme in den Himmel, und daß wir uns über andere überheben könnten, o nein, sondern wir sind erwählt, dass wir ein Segen für unsere Umgebung, dass wir den Leuten, die uns beobachten, die Tugenden Jesu verkündigen, nicht sowohl mit unserem Munde, als vielmehr mit unserem Wesen und Wandel, damit sie für Jesum gewonnen werden, damit sie auch selig werden.

Damit stimmt Eph. 1,4 vortrefflich überein: „Wie Er uns denn erwählt hat, ...daß wir seien heilig und unsträflich vor Ihm.“ Dadurch werden Menschen zu Jesus gezogen, wenn sie die Kinder Gottes sehen „heilig und unsträflich vor Gott“.

Und nun verstehen wir auch 2. Petrus 1,10: „Darum, liebe Brüder, tut desto mehr Fleiß, eure Berufung und Erwählung festzumachen. Denn wo ihr solches tut, werdet ihr nicht straucheln.“ Wenn es sich bei der Erwählung um unsere Seligkeit handelte, dann könnten wir nichts tun, um unsere Erwählung festzumachen. Wenn wir nicht erwählt sind, dann ist ja alles umsonst. – Aber wir können und sollen unsere Erwählung  festmachen. Das heißt: wir sollen darauf eingehen, wir sollen uns Gott dazu hingeben, daß Er uns zu Segensmenschen gebrauchen kann. Und wenn wir uns Gott dazu hingeben, dann ist das das beste Mittel, um gefördert zu werden in unsrem eigenen Leben. „Wir werden nicht straucheln.“ Wenn wir aber nur an uns und unsere eigene Seligkeit denken, dann werden wir „faul und unfruchtbar“ sein, wie der Apostel vorher gesagt hat. „Faul“ und „unfruchtbar“, das gehört zusammen.

Der Zweck der Erwählung ist also nicht die Seligkeit, sondern der Dienst für Gott, die Frucht für Gott.
Wir sehen das Kapitel falsch an, wenn wir daraus die Frage beantworten wollen: „Sind einige Menschen von Gott zur Seligkeit bestimmt und andere zur Verdammnis?“ Darüber redet Paulus hier gar nicht. Er will eine Antwort auf die Frage geben: „Warum wird das Volk Israel jetzt verstockt und warum erhalten die Heiden die Gnade zum Leben?“ Ist Gott nicht seinen Verheißungen untreu, wenn Er jetzt Israel dem Verstockungsgericht preisgibt? Diese Frage beantwortet Paulus hier mit bewegtem Herzen, und zwar als ein Zeuge für Gott. Er betont, dass fleischliche Abstammung von Abraham nie eine Bürgschaft für Anteil am Gnadenbund gegeben habe. Dann sagt er, dass überhaupt der sündige Mensch ebenso wenig ein Recht habe, Gottes Handeln zu kritisieren, wie der Ton die Arbeit des Töpfers, welcher Gefäße zu hohen und Gefäße zu niedrigen Diensten mache. Er will durch dieses Gleichnis eine Belehrung und Ermahnung geben, dass der Mensch, der sich so frei und stark dünkt, sich unter seinem Schöpfer beugen und sich seiner gänzlichen Abhängigkeit bewußt werden solle.

Daß er hier nicht von Vorherbestimmung zum Seligwerden und zum Verlorengehen redet, das beweist der Schluß seiner Ausführungen: „O welch eine Tiefe – wer hat des Herrn Sinn erkannt oder wer ist sein Ratgeber gewesen?“ Er bricht bei der Betrachtung nicht in wehmütiges Verzagen darüber aus, dass so viele verloren gehen, sondern er lobt Gott, „daß Er alle beschlossen habe unter den Ungehorsam, damit Er sich aller erbarme“. Daraus geht klar hervor, dass Paulus hier nicht lehrt, dass die Mehrzahl der Menschen zum Verlorengehen bestimmt sei, sondern er redet davon, dass Gott das Recht habe, aus Gnaden erst ein Volk zu erwählen und später wieder ein anderes, daß Gott aber auch ein Volk verstoßen müsse, wenn es Gnade nicht mehr Gnade sein lassen wolle, wenn es die Gnade für ein Recht ansehe und stolz für sich Gnade und für die andern Völker Verwerfung verlange.

Ernst Modersohn,  aus „Widersprüche in der Bibel?“

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst JavaScript aktivieren, damit du sie sehen kannst