Hanauer Anzeiger, 30. April 2011
Zur Ethik-Kommission: „Nun transformiert euch mal schön!“ Deutschland ist mit der Ethikkommission unter Dr. Klaus Töpfer weiter munter dabei, Rationalität, technologisches Können und wissenschaftliche Aufklärung abzuschalten und ein überparteiliches, angeblich ideologiefreies nationales Gemeinschaftsgefühl einzuschalten. Der ethische Absolutismus lautet: Nachhaltigkeit generieren, keine Brücken mehr bauen, die „Große Transformation“ durchsetzen.Den Menschen muss wieder vorgeschrieben werden können, was sie als Glück zu empfinden haben. Weniger ist heute wieder mehr und die Rettung der Welt. „Wir sind sehr bewusst eine Ethikkommission.“ Dieser Satz von Töpfer bedeutet nichts anderes als die Forderung nach Meinungshoheit und nationaler Gleichschaltung. Die „Neue Deutsche Ethik“ will entscheiden, wohin unsere Reise in die Zukunft zu gehen hat. Das befriedigt einmal mehr die in unserer Geschichte oft beschworene und immer leidvoll beendete Sehnsucht nach Zentralismus, der alles fein zu unserem Wohle für uns regelt. Die „Neue Deutsche Ethik“ braucht keinen Föderalismus der Bundesländer und „Freistaaten“ mehr, keine Selbstverwaltung unserer Städte und Gemeinden, keine freie und soziale Marktwirtschaft und am Ende auch nicht mehr die Freiheit und Würde des Menschen. Diese „Neue Deutsche Ethik“ tritt in die mittelalterlichen Fußstapfen von Kaiser und Papst und ist dabei sich die Gewaltstiefel der Zentralkomitees der kommunistischen und sozialistischen Parteien sowie der nationalistischen Diktaturen wieder anzuziehen. Nicht Plutonium, Chlor, CO2, PID oder Gen-Mais rauben uns Menschen Freiheit und Geld, sondern demagogische Rhetoriker, die nicht von Mensch zu Mensch mit uns reden, sondern via ARD und ZDF direkt auf unser Wohlstandsgewissen zugreifen. Über das Abschalten der Kernkraftwerke derzeitiger Bauart wäre durchaus seriös nachzudenken. Aber darum geht es nicht mehr, sondern es geht um das „Aussteigen“ und das gleichzeitige Denkverbot über mögliche Verbesserungen bei einer weltweit etablierten Basistechnologie nach Einsteins Formel E=mc2. Deutschland war bis zur „Grünen Transformation“ in den 80er Jahren dank einer gewaltigen geistigen und finanziellen, parteiübergreifenden Anstrengung patentrechtlich autonom und führend in der Welt, vor allem im Punkt „Sicherheit in der Kerntechnik“.
Nie war ein deutscher Druckwasserreaktor auch nur annähernd in Störfallnähe! Der 1989 vom NRW Ministerpräsident Johannes Rau („Bruder Johannes“) still gelegte Thoriumhochtemperaturreaktor (HTR 300) in Hamm an der Lippe schaltete sich bei Ausfall aller Versorgungsleistungen, also ohne Bedienungspersonal, ohne Energiezufuhr und ohne Kühlwasserzufuhr, von selbst automatisch ab! Diese fantastischen „full safe“ Funktionen wurden damals – ebenfalls parteiübergreifend - von der deutschen Politik über Nacht wertlos gemacht. Zwei solche HTR Reaktoren stehen heute in China als „Brücken in eine bessere Zukunft“. „Tschernobyl“ war eine russische, „Fukushima“ die älteste amerikanische Reaktorbaureihe! Die Welt geht anders als wir davon von aus, dass aus „Tschernobyl“ Lehren gezogen wurden und dass aus „Fukushima“ noch entsprechende Lehren zu ziehen sind. Die Lehre aus Tschernobyl war die Abschaltung der Tschernobylreaktoren in „EU-27“. Am Silvestermorgen 2010 wurde der letzte Tschernobylreaktor in Litauen abgeschaltet. Nur Deutschland erklärt sich aus „ethischen Gründen“, genauer gesagt aus christlich-jüdisch-islamischen Glaubensgründen, für lernunwillig und schaltet total und irrational ab. Wenn schon abgeschaltet werden soll, dann nicht wie jetzt in Panik nach Alter, sondern nach Reaktortyp, zuerst unsere „Fukushima“-Reaktoren und zuletzt erst unsere Druckwasserreaktoren „Made in Germany“. Aber das würde ein Nachdenken erfordern, welches die „Neue Deutsche Ethik“ nicht mehr zulassen möchte.
Dr. Gerhard Stehlik, Hanau - Großauheimwww.horst-koch.de
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